Manuela Baltz

Manuela Baltz
Manuela Baltz 2018-04-10T09:21:41+00:00

Das Unsichtbare im Sichtbaren finden

von Claus Käpplinger,  Kultur-und Stadtkritiker

Universell und zugleich erstaunlich konkret ist das Werk der rheinhessischen Fotografin Manuela Baltz, die es wagt unsere oft allzu festgefügte Vorstellung von Realität zu hinterfragen.

Eigentlich von der Dokumentar- und Porträtfotografie kommend, entwickelte sie im Laufe der Jahre erstaunlich eigene, ja sehr emphatische Wege, Realität auf den flüchtigen Moment ihrer Existenz zurückzuführen und zugleich das Wesen ihrer Erscheinung weit über das offenkundig Sichtbare hinaus zu verdichten. Keineswegs intellektuelle Dekonstruktion leitet sie dabei als vielmehr eine durchaus sehr romantische Suche nach dem Sublimen im Realen, nach dem Erhabenen in der Realität, das noch Erstaunen in uns auslösen und in einer vermeintlich längst völlig entzauberten Welt uns wieder das Gefühl von Unermesslichkeit vermitteln kann.

Explizit subjektiv und sinnlich, aber auch überraschend abstrakt sind die meisten ihrer Werkreihen, die solch emphatisch-enigmatische Titel wie Traumwelten, Liquid Lights oder Total Floral tragen.

Wirklichkeit wird in diesen Werkreihen nicht einfach nur abgebildet, sondern auf Grundlage des real Gegebenen zu eindrücklichen neuen Erfahrungsräumen verdichtet. Ihre Bilder lösen sich immer wieder von den fotografierten Landschaften oder Objekten, um zu Lichtbildern im wahrsten Sinne des Wortes zu werden – zu Bildern, die das allzu Bekannte in schemenhafte, oft bewegte Farbflächen und Strukturen überführt, die das Licht eines Ortes oder einer Situation mal surreal, mal magisch einzufangen vermögen.

Flüchtige, ja zauberhafte Momentaufnahmen des sinnlich Erfahrbaren, die aber von Manuela Baltz nun nicht malerisch als vielmehr mit den klassischen Instrumenten der Fotografie, nämlich mittels Kameraeinstellung, Standpunkt und Bewegung eingefangen werden – ganz ohne umfangreiche digitale Nachbearbeitung am PC.

Seit vielen Jahren zwischen Rheinhessen, Südindien und dem nördlichen Polarkreis pendelnd, entwickelte sich ihre künstlerische Weltsicht eher aus sehr vielen intensiven Begegnungen mit unterschiedlichen Kulturen, Landschaften und Menschen. Auf ihren Reisen und ihrer Suche nach stets neuen Blickwinkeln und Perspektiven entwickelte sich als greifbarstes Movens ihrer künstlerischen Arbeit die Entschleunigung von Bewegung und damit letztlich des Seins heraus, das Stillhalten im Moment all umgreifenden Wandels. Orte, Objekte und Situationen abstrahiert auf Formen, Farben und Strukturen verwandeln sich bei ihr in phantastische Räume sensueller Empathie, die über ihre physische Erscheinung hinaus stets auch eine Idee vom Dahinter zum Ausdruck bringen wollen.